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Wir schreiben das 24. Jahrhundert, und die Menschheit hat begonnen, sich im Sonnensystem auszubreiten. Der Mars ist fürchterlich kalt, trocken und ohne Atmosphäre, doch genau hier setzen wir mit unseren Konzernen an.
In Terraforming Mars schlüpfen wir gemeinsam in die Rolle riesiger Konzerne, die im Auftrag der Weltregierung den roten Planeten bewohnbar machen sollen. Es geht um Temperatur, Sauerstoff und Ozeane, und damit um eine Aufgabe, die thematisch ungewöhnlich dicht für ein Brettspiel ist.
Die Atmosphäre am Tisch ist ruhig, fast schon konzentriert. Man spürt, wie sich der Planet über die Generationen langsam wandelt, während aus einer kargen Wüste nach und nach Wälder, Städte und Meere werden.
Hinter dem Titel steht Designer Jacob Fryxelius, im deutschsprachigen Raum erscheint das Grundspiel beim Schwerkraft-Verlag. Wir sprechen hier ausdrücklich vom Grundspiel von 2016, das die Basis für sämtliche Erweiterungen bildet.
Gespielt wird mit einer bis fünf Personen, die Schachtelangabe nennt zwei Stunden Spieldauer und ein Mindestalter von 12 Jahren. In der Praxis solltet ihr für eure ersten Partien deutlich mehr Zeit einplanen, dazu sage ich später im Test noch etwas.
Dieses Werk ist ein klassisches Kennerspiel mit deutlicher Tendenz zum Experten-Bereich. Wer schon ein paar Familienspiele rauf und runter gespielt hat und sich nach mehr Tiefe sehnt, findet hier den nächsten, sehr belohnenden Schritt.
Besonders spannend ist, dass auch ein vollwertiger Solo-Modus enthalten ist. So lässt sich das Spiel auch dann erleben, wenn gerade keine Mitspielenden am Tisch sitzen, was den Wiederspielwert spürbar erhöht.
Der wahre Star ist der Kartenstapel mit über 200 unterschiedlichen Projekten. Vom Asteroideneinschlag über Bakterienkulturen bis zur Großstadt entsteht so in jeder Partie eine andere Geschichte, wie wir unseren Mars formen.
Dazu kommt das, was Fans gern als Engine Builder bezeichnen, also ein Spiel, in dem unsere Karten und Produktionswerte immer besser ineinandergreifen, je länger die Partie dauert. Genau dieses Wachstum macht den langen Atem dieses Titels aus.
Du suchst die wichtigsten Regeln auf einen Blick? Hier ist die schnelle Kurzfassung. Das vollständige Regelwerk findest du direkt im verlinkten PDF.
Unser gemeinsames Fernziel ist klar: Wir machen den Mars bewohnbar. Konkret heben wir dafür drei globale Parameter an, nämlich Temperatur, Sauerstoff und Ozeane.
Sobald alle drei Werte ihre Zielmarke erreicht haben, endet das Spiel nach der laufenden Generation. Gewonnen hat dann der Konzern mit den meisten Siegpunkten, nicht der mit dem höchsten Beitrag zur Umwandlung allein.
Jede Spielerin und jeder Spieler übernimmt einen Konzern mit eigenem Tableau, auf dem die Produktion und die Vorräte verwaltet werden. Im Spiel kursieren sechs Ressourcen, die ihr im Blick behalten solltet.
Zentral ist außerdem der Terraformwert. Er bestimmt am Ende eure Grundpunktzahl und legt zugleich euer Einkommen in MegaCredits fest.
Eine Runde heißt hier Generation und gliedert sich in vier feste Phasen. Diese Reihenfolge ist verbindlich, damit alle gleichzeitig planen und reagieren können.
In der Aktionsphase liegt das Herz des Spiels. Hier entscheidet sich, wie schnell euer Konzern wächst und wie stark ihr den Planeten formt.
Pro Zug stehen euch eine oder zwei Aktionen zur Verfügung. Ihr dürft eine Aktion auch weglassen und dafür eine zweite ausführen, das Spiel bleibt dadurch angenehm flexibel.
Plättchen werden auf der Marskarte platziert und bringen Boni, wenn sie neben Ozeanen liegen oder bestimmte Felder besetzen. Hier entsteht ein leichter, aber spürbarer Kampf um die besten Positionen.
Die Projektkarten gibt es in drei Farben mit klar unterschiedlichen Rollen. Achtet beim ersten Spiel besonders auf die Symbole, denn sie steuern Synergien und Rabatte.
Manche Karten verlangen einen bestimmten Stand bei Temperatur, Sauerstoff oder Ozeanen, bevor ihr sie spielen dürft. Andere brauchen eine Mindestanzahl bestimmter Symbole, etwa Bau-, Wissenschafts- oder Weltraum-Tags.
Das Ende wird ausgelöst, sobald Temperatur, Sauerstoff und Ozeane ihre Zielwerte erreicht haben. Die laufende Generation wird noch komplett zu Ende gespielt, danach kommt es zur Schlusswertung.
In die Endwertung fließen euer Terraformwert, Meilensteine und Auszeichnungen, Siegpunkte auf Karten sowie die Punkte aus euren Stadt- und Grünflächenplättchen ein. Wer in Summe vorne liegt, ist der erfolgreichste Konzern auf dem neuen Mars.
Terraforming Mars fühlt sich an wie ein langsam wachsender Organismus. In den ersten Generationen wirken unsere Konzerne klein und etwas zäh, doch mit jedem ausgespielten Projekt wird die eigene Engine spürbar dichter.
Das ist genau der Reiz: Wir bauen uns eine Maschinerie aus Karten, Produktionsleisten und Plättchen, die irgendwann fast wie von selbst läuft. Wenn dann auf einmal Pflanzen, Wärme und MegaCredits in jeder Runde nur so sprudeln, entsteht dieses tief belohnende Engine-Gefühl, das viele am Spiel so lieben.
Die Interaktion ist eher leise. Über Plättchen, knappe Meilensteine und gelegentliche Eingriffskarten beobachten wir uns gegenseitig, ohne uns ständig direkt anzugreifen.
Auf der Schachtel stehen zwei Stunden Spielzeit und ein Alter ab 12 Jahren. In der Praxis dauert eine Erstpartie zu viert eher drei Stunden oder mehr, weil das Lesen der vielen Karten und das Planen der Züge anfangs Zeit kostet.
Die Komplexität liegt deutlich im oberen Mittelfeld und kratzt schon am Expertenbereich. Wir empfehlen das Spiel daher eher ab 14 Jahren oder für jüngere Spielende mit klarer Brettspielerfahrung, und mit einer geduldigen Person, die das erste Mal erklärt.
Auch der Solo-Modus ist mehr als ein Anhängsel. Ihr habt eine feste Anzahl Generationen, in denen ihr den Mars im Alleingang umwandeln müsst, was als eigenes kleines Puzzle wunderbar funktioniert.
Insgesamt wird das Terraforming Mars Spiel überdurchschnittlich gut aufgenommen und gilt vielen als Klassiker des modernen Kennerspiels. Gelobt werden vor allem die enorme Kartenvielfalt, der starke Wiederspielwert und das dichte Thema.
Kritisch genannt werden zwei Punkte immer wieder. Zum einen das Material, etwa die etwas dünnen Tableaus, auf denen Marker leicht verrutschen können. Zum anderen die Spielzeit, die in vollen Runden ordentlich Sitzfleisch verlangt.
Wenn ihr gerne plant, Karten kombiniert und langfristig denkt, ist dieser Titel ein echtes Highlight für euer Regal. Besonders Fans von Engine Buildern und thematisch starken Aufbauspielen finden hier ein Werk, das auch nach vielen Partien noch Neues zeigt.
Weniger geeignet ist Terraforming Mars für reine Familienrunden mit jüngeren Kindern oder für Abende, an denen es schnell und leicht zugehen soll. Wer Partyspiele oder kurze Absacker sucht, greift hier garantiert zur falschen Schachtel.
Sucht ihr ein ähnliches Spielgefühl in kompakterer Form, lohnt ein Blick auf Race for the Galaxy. Dort baut ihr ebenfalls über Karten an einer Weltraumzivilisation, allerdings deutlich schneller, abstrakter und ohne Plättchen auf einem gemeinsamen Brett.
Wer dagegen den großen Tisch, das Plättchenlegen und das thematische Eintauchen sucht, ist mit dem Mars besser bedient. Das eine ersetzt das andere nicht, beide bedienen aber sehr unterschiedliche Abende.
Unser Fazit fällt klar positiv aus: Wer den Aufwand nicht scheut, bekommt mit dem Terraforming Mars Brettspiel ein modernes Schwergewicht, das Strategie, Thema und Wiederspielwert auf hohem Niveau verbindet.
Auch ein so starkes Werk hat seine Ecken, die ihr vor dem Kauf kennen solltet.
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