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In Man muss auch Gönnen können drehen wir gemeinsam an einer kleinen, feinen Würfelmaschine, die sich jede Runde neu zusammensetzen lässt. International ist der Titel als Divvy Dice bekannt, in unserem Markt erschien er bei Schmidt Spiele und richtet sich an alle, die Würfelspiele mit etwas mehr Köpfchen mögen.
Das Besondere zeigt sich schon im Namen: Wer würfelt, gönnt automatisch auch den anderen am Tisch etwas. Genau dieses Wechselspiel zwischen eigenem Plan und passivem Mitprofitieren prägt die Atmosphäre.
Das gönnen können Spiel ist für 1 bis 4 Personen ab 8 Jahren ausgelegt und dauert laut Verlag rund 30 Minuten. Damit landen wir in einem sehr zugänglichen Zeitfenster, das auch unter der Woche am Feierabend funktioniert.
Designt wurde der Titel von Ulrich Blum und Jens Merkl, illustriert von Leon Schiffer. Wer das Duo Blum/Merkl kennt, ahnt schon: Hier geht es um kompakte Mechaniken mit hohem Wiederspielwert, nicht um große Story.
Wer schon Familienspiele souverän meistert und Lust auf den nächsten, leicht taktischeren Schritt hat, ist hier richtig. Das Spiel ist klar im Bereich zwischen Familien- und Kennerspiel angesiedelt, ohne die Einstiegshürde unnötig hochzuschrauben.
Auch Solo-Fans bekommen etwas geboten, denn ein eigener Solo-Modus mit Level-System und Kampagnenelementen gehört zum Lieferumfang. So lässt sich der Titel sowohl in der Runde als auch allein am Küchentisch erleben.
Der Clou liegt in der ständigen Frage: Setze ich auf eine sichere Karte, oder gönne ich den anderen lieber nichts und nehme einen riskanteren Wurf in Kauf? Genau dieses kleine Drama sorgt für ein angenehmes Kribbeln, ohne dass die Stimmung am Tisch kippt.
Wer ein kompaktes, modernes Würfelspiel sucht, das mehr ist als reines Glücksspiel, bekommt mit diesem Titel ein sehr fokussiertes Erlebnis. Wie tief das wirklich trägt, schauen wir uns gleich in den Regeln und in der Bewertung an.
Du suchst die wichtigsten Regeln auf einen Blick? Hier ist die schnelle Kurzfassung. Das vollständige Regelwerk findest du direkt im verlinkten PDF.
Ziel ist es, am Ende die meisten Siegpunkte zu sammeln. Diese gibt es ausschließlich über abgeschlossene Wertungs-Karten in unserer eigenen 3×3-Auslage.
Wir bauen uns diese Auslage Stück für Stück selbst zusammen, indem wir Karten vom Markt kaufen und ihre Aufgaben mit Würfelergebnissen erfüllen.
Im Spiel sind folgende Komponenten enthalten:
Zu Beginn wird die Marktleiste mit offenen Karten bestückt, jede Person erhält einen Stift und einen Platz für die spätere 3×3-Auslage. Die Würfel kommen in die Tischmitte.
Der aktive Spieler darf in seinem Zug bis zu dreimal würfeln und gezielt Würfel beiseitelegen. Dabei laufen folgende Schritte ab:
Der entscheidende Kniff ist die Mitspieler-Interaktion. Bei jedem Nachwurf dürfen die passiven Mitspieler einen der gewürfelten Werte für sich nutzen.
Anders als der aktive Spieler dürfen passive Personen auch einzelne Felder auf ihren Karten vorbereiten, ohne dass die Karte sofort abgeschlossen sein muss. So entsteht ein ständiges Gönnen, das niemanden langweilen lässt, auch wenn er gerade nicht am Zug ist.
Die beiden Kartenarten spielen unterschiedliche Rollen in unserer Auslage:
Damit lohnt es sich, schon beim Kauf zu überlegen, welche Karte an welcher Stelle der eigenen Auslage am meisten Wirkung entfaltet.
Das Spiel endet, sobald eine Person ihre neunte Karte kauft und damit die eigene 3×3-Auslage vervollständigt. Die laufende Runde wird in der Regel noch zu Ende gespielt, damit alle gleich oft am Zug waren.
Danach werten alle ihre Auslage gemäß den Bedingungen der dort liegenden Wertungs-Karten aus. Wer in Summe die meisten Siegpunkte erreicht, gewinnt.
Für einsame Abende gibt es einen eigenen Solo-Modus mit Level-System und Kampagnenregeln. So lässt sich der Schwierigkeitsgrad schrittweise steigern, ohne dass das Grundgefühl des Spiels verloren geht.
Mit einer Komplexität von rund 2 auf der 5er-Skala ist der Titel angenehm leichtgewichtig, aber nicht banal. Das Gönnen-Prinzip sorgt dafür, dass wir auch in fremden Zügen aktiv mitdenken, weil wir jeden Nachwurf für unsere eigene Auslage prüfen.
Genau dieser Mechanismus ist das Herzstück, denn er schaltet Wartezeit fast komplett aus. Gleichzeitig erzeugt er kleine Dilemmata, weil der aktive Spieler weiß, dass er den anderen mit jedem zusätzlichen Wurf etwas schenkt.
Auf der Schachtel steht ab 8 Jahren und das passt zu unserer Einschätzung, sobald Kinder Wertungs-Karten mit kombinierten Bedingungen lesen und planen können. Für jüngere Kinder ohne Erfahrung mit Karten-Aufgaben würden wir eher zu reinen Würfelklassikern raten.
Die 30 Minuten Spieldauer sind in geübten Runden realistisch, in der ersten Partie darf man rund die doppelte Zeit einplanen. Das ist kein Drama, weil das Material mit Stiften und abwischbaren Karten schnell reset-fähig ist.
Das gönnen können Spiel ist eine klare Empfehlung für alle, die kompakte Würfelspiele mögen und etwas mehr taktische Tiefe suchen als bei reinen Roll-and-Write-Klassikern. Wer gern eigene kleine Engines aus Bonus- und Wertungs-Karten baut, wird hier sehr gut bedient.
Insgesamt wird der Titel von vielen Spielerinnen und Spielern solide aufgenommen, ohne dass er als großes Highlight des Jahres gefeiert würde. In internationalen Reviews fällt teils der Eindruck, dass sich der Titel in einem sehr vollen Genre nicht radikal abhebt, was wir mit Blick auf die Masse moderner Würfelspiele nachvollziehen können.
Nein, und das ist hier sogar eine Stärke. Wer ein lautes Partyspiel mit großen Lachern sucht, wird hier nicht glücklich, weil das Spiel deutlich ruhiger und planerischer daherkommt.
Familien, die bereits einfache Würfelspiele durchgespielt haben, finden hier einen sehr angenehmen Übergang in Richtung Kennerspiel. Solo-Fans bekommen mit dem integrierten Modus zusätzlich einen netten Mehrwert, ohne separates Material kaufen zu müssen.
Wir bekommen ein durchdacht verzahntes Würfelspiel, dessen Gönnen-Mechanik die Downtime spürbar senkt und die 3×3-Auslage zu einer kleinen, persönlichen Punktemaschine macht. Wer keinen großen Wow-Effekt erwartet, sondern ein verlässliches Spiel für die mittlere Schublade sucht, macht hier nichts falsch.
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