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Wir reisen in Die Burgen von Burgund zurück ins Loire-Tal des 15. Jahrhunderts und schlüpfen in die Rollen einflussreicher Fürsten. Unser Ziel ist es, ein kleines Fürstentum durch Handel, Viehwirtschaft, Bergbau und Städtebau zum blühenden Zentrum der Region zu machen.
Das Setting wirkt dabei angenehm unaufgeregt und bietet einen wohltuenden Kontrast zu vielen düsteren Themenspielen. Hier gibt es keine Katastrophen oder fiesen Rückschläge, sondern einen ruhigen, fast meditativen Wohlfühlcharakter beim Aufbau der eigenen Ländereien.
Das Aufbauspiel von Autor Stefan Feld erschien 2011 bei alea und Ravensburger und ist seit Jahren einer der erfolgreichsten Titel der berühmten alea-Reihe. Es richtet sich an zwei bis vier Spielerinnen und Spieler ab 12 Jahren und dauert je nach Runde zwischen 45 und 100 Minuten.
Auf der Schachtel steht ab 12 Jahren, was angesichts der vielen Symbole und der taktischen Tiefe redaktionell durchaus passend ist. Jüngere Familienspielerinnen und Familienspieler kommen mit dem Verzahnungsgrad eher an ihre Grenzen.
Die Burgen von Burgund spricht alle an, die Spaß an einem klassischen Kennerspiel mit Würfeln, Plättchen und vielen Wegen zum Sieg haben. Wer von Familienspielen wie Azul oder Splendor den nächsten Schritt wagen möchte, findet hier einen idealen, belohnenden Einstieg in tiefere Strategiekost.
Auch zu zweit funktioniert das Spiel hervorragend, weil jede Person mit dem eigenen Tableau im Mittelpunkt steht. Genau das macht es zu einem beliebten Paarspiel für ruhige Abende am Tisch.
Besonders auffällig ist die Vielzahl an Wegen, mit der wir Siegpunkte sammeln können. Ob Tierherden, Schiffsrouten, Silberminen, Wissensplättchen oder eindrucksvolle Burgen, jede Strategie fühlt sich anders an und lädt zu vielen Wiederholungspartien ein.
Dazu kommt ein flüssiger Spielablauf: Zwei Würfel geben uns Aktionen vor, die Entscheidung treffen aber wir selbst. So entsteht ein wunderbares Spannungsfeld zwischen Glück und Planung, das den enormen Wiederspielwert dieses modernen Klassikers erklärt.
Du suchst die wichtigsten Regeln auf einen Blick? Hier ist die schnelle Kurzfassung. Das vollständige Regelwerk findest du direkt im verlinkten PDF.
In Die Burgen von Burgund geht es darum, am Spielende die meisten Siegpunkte zu sammeln. Punkte gibt es vor allem für vollständig bebaute Farbgebiete im eigenen Fürstentum, für verkaufte Warenladungen und für besondere Wissens- und Bonusplättchen bei der Schlusswertung.
Das Spiel läuft über fünf Durchgänge mit jeweils fünf Runden. Wer nach diesen 25 Runden vorne liegt, gewinnt die Partie.
Jede Person bekommt ein eigenes Fürstentum-Tableau, auf dem mehrere farbige Gebiete in Sechsecken eingeteilt sind. Jede Farbe steht für einen Plättchentyp, etwa Gebäude, Tiere, Schiffe, Minen, Burgen oder Wissen.
Auf dem zentralen Spielplan liegen die Sechseck-Plättchen in nummerierten Depots von 1 bis 6 sowie die Warenfelder. Zusätzlich erhält jede Person Startwaren, Arbeiterchips und Silbermünzen.
Zu Beginn jeder Runde wirft die aktive Person den Warenwürfel, danach würfeln alle Spielenden ihre zwei eigenen Würfel. Die beiden Augenzahlen geben vor, welche Aktionen pro Zug möglich sind.
In ihrem Zug darf jede Person zwei der vier Aktionen ausführen, jeweils unter Einsatz eines ihrer Würfel:
Zusätzlich darf jede Person pro Zug ein Plättchen für zwei Silber aus dem mittleren Depot kaufen und in das eigene Zwischenlager legen. Dieser Kauf zählt nicht als reguläre Aktion.
Jedes eingebaute Plättchen löst eine Sofortwirkung aus, sobald es im Fürstentum landet. So liefern Gebäude neue Aktionen, Tiere bringen sofort Punkte, Schiffe verschieben den Startspielermarker oder erlauben Warenverkäufe, und Silberminen sichern dauerhaftes Einkommen.
Wissensplättchen verändern Regeln oder Wertungen für die jeweilige Person, etwa zusätzliche Punkte für bestimmte Plättchentypen. Burgen wiederum erlauben eine zusätzliche freie Aktion direkt nach dem Bau.
Wer ein farbiges Gebiet komplett füllt, kassiert sofort Siegpunkte. Die Höhe richtet sich nach der Größe des Gebiets und dem aktuellen Durchgang, denn frühzeitig abgeschlossene Regionen bringen deutlich mehr Punkte.
Zusätzlich gibt es einen Bonus, wenn eine Person als Erste ein Gebiet einer bestimmten Farbe vollständig bebaut hat. Diese Mehrheiten machen den Wettlauf um Tempo und Plättchenauswahl besonders spannend.
Das Spiel endet nach dem fünften Durchgang. Anschließend werden noch Restpunkte vergeben, unter anderem für nicht verkaufte Waren, übrige Silbermünzen und nicht eingesetzte Arbeiterchips.
Wer am Ende die meisten Siegpunkte gesammelt hat, gewinnt. Bei Gleichstand entscheidet die fortgeschrittenste Position auf der Punkteleiste oder, je nach Variante, das übrige Silber.
Die Burgen von Burgund fühlt sich wie ein entspanntes Puzzle an, bei dem trotzdem ständig clevere Entscheidungen gefragt sind. Wir würfeln, weichen mit Arbeitern aus und planen vorausschauend, welches Plättchen wo am meisten Punkte bringt.
Das Spiel ist an manchen Stellen herrlich crunchy, das bedeutet, die Mechaniken verzahnen sich so eng, dass wir richtig tief in die Planung eintauchen können. Trotzdem bleibt das Tempo angenehm, weil jeder Zug nur aus zwei Aktionen besteht und das Regelgerüst nach zwei, drei Runden verinnerlicht ist.
Mit einer Komplexität von rund 3 auf der gängigen 5er-Skala liegt der Titel klar im Kennerspiel-Bereich, ohne in echtes Expertenniveau abzudriften. Genau diese Balance macht ihn so beliebt.
Auf der Schachtel steht ab 12 Jahren, und das passt gut zur Symbolflut auf den Plättchen und zur strategischen Tiefe. Erfahrene 10-Jährige, die Familienspiele wie Azul oder Kingdomino schon souverän schlagen, können je nach Begleitung ebenfalls Spaß haben.
Die Boxangabe von 90 Minuten ist ehrlich gewählt. In der ersten Partie dauert eine Runde mit voller Besetzung gerne 100 bis 120 Minuten, zu zweit sind 45 bis 60 Minuten realistisch, sobald die Symbolik sitzt.
Wer eine neuere Ausgabe wie die Burgen von Burgund 2019 oder die spätere Jubiläumsedition besitzt, profitiert von kräftigeren Farben und größeren Spielertableaus. Die früher oft kritisierte Nähe zwischen Grün- und Gelbtönen wurde sichtbar entschärft.
Die Plättchen wirken weiterhin recht dünn, dafür wurden die Übersichten ausgelagert und der Plan in 2er-, 3er- und 4er-Varianten unterteilt. Material und Layout sind damit auf einem guten Niveau für die Preisklasse.
Das Spiel ist ideal für alle, die Würfelglück und langfristige Planung gleichzeitig mögen. Wer reine Glücksspiele oder reine Eurogames ohne Würfel sucht, könnte dagegen mit der Balance fremdeln.
Für Pärchen, Kennerspiel-Runden und Solospielende ist es eine klare Empfehlung. Die zahlreichen Wissensplättchen und Startauslagen sorgen dafür, dass sich kaum eine Partie wie die vorige anfühlt, was den Wiederspielwert auch nach vielen Partien hochhält.
Im Vergleich zu Stefan Felds Trajan wirkt Die Burgen von Burgund zugänglicher, weil der Aktionsmechanismus über zwei Würfel intuitiver ist als der Mancala-Bewegungs-Mechanismus bei Trajan. Wer es etwas entspannter, optisch friedlicher und mit klarem Plättchen-Puzzle mag, ist hier besser aufgehoben.
Im Gegenzug bietet Trajan mehr ineinandergreifende Wertungstracks und etwas mehr Brainburner-Potenzial, also tiefere Grübelmomente. Für den Einstieg in die Feld-Welt ist Die Burgen von Burgund aber die wärmer empfohlene Wahl.
Insgesamt zählt der Titel für uns zu den überzeugendsten Aufbauspielen seiner Generation. Die Mischung aus Würfelaktionen, Plättchenpuzzle und Mehrheiten in den Farbgebieten ist auch nach über zehn Jahren noch frisch.
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