Forestry: Holz, Hektar und harte Entscheidungen am Tisch
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Hinweis: Antworten basieren auf der hinterlegten Anleitung und ersetzen nicht die offizielle Regelquelle des Verlags.
Forestry: Worum geht es im Wald-Eurogame von Pegasus?
Willkommen im Revier
Morgennebel hängt zwischen Kiefern, Birken und Eichen. Die Erntemaschine rollt los, der Sägewerksmanager telefoniert mit dem nächsten Auftraggeber.
Genau in dieses Setting wirft uns Forestry, das neue Strategiespiel von Michal Peichl, illustriert von Michal Řezníček und in der deutschen Fassung bei Pegasus Spiele erschienen.
Wir schlüpfen in die Rolle moderner Forstleute, die zwischen Abholzung, Verarbeitung und Aufforstung das ökologische Gleichgewicht halten müssen. Klingt nach Lehrbuch? Ist aber knallhartes Eurogame-Material.
Thema und Atmosphäre
Das Forestry Spiel bringt ein ungewöhnliches Thema auf den Tisch: nachhaltige Forstwirtschaft. Kein Drachen, kein Weltraum, sondern Holzarten, Wasserläufe und Wiederaufforstung.
Die Designer haben sich beraten lassen von echten Forstleuten, und das merkt man. Fünf Holzsorten, Beizen, Trocknen, Hobeln, Sämlinge, Schutzplättchen, alles greift thematisch sauber ineinander.
Trotzdem bleibt der Ton entspannt: warme Farben, viel Grün, ein Spielbrett, das auf den ersten Blick an ein Hexfeld-Eurogame erinnert. Wer auf Worker Placement mit Naturthema steht, bekommt hier eine ziemlich eigene Note.
Eckdaten und Format
Forestry ist für 1 bis 4 Personen ab 12 Jahren ausgelegt, eine Partie dauert zwischen 70 und 120 Minuten. Es gibt ein Einführungsspiel, ein Standardspiel, ein Fortgeschrittenenspiel sowie einen Solomodus gegen den Förster Paul.
Damit deckt das Forestry Brettspiel eine breite Spanne ab, von der ersten Lernrunde bis zur taktisch fies optimierten Vollpartie. Es ist ein Grundspiel, keine Erweiterung, und versteht sich als eigenständiges Eurogame.
Für wen brennt das hier?
Wer in Engine-Building, Aktionspunkt-Management und thematischer Verzahnung aufgeht, sollte hier hellhörig werden. Die Community nimmt den Titel insgesamt sehr positiv auf, und auch viele Spielerinnen und Spieler aus der Kennerspiel-Bubble haben hier ihren Spaß.
Wer dagegen lockere Familienabende sucht, ist hier eher fehl am Platz. Forestry will, dass ihr rechnet, plant und mit jedem Aktionspunkt geizt. Aber genau das ist ja der Reiz.
Forestry Regeln und Spielablauf erklärt
Regeln als PDF herunterladenDas Spielziel
Bei Forestry geht es um Siegpunkte, die ihr über 10 Runden (9 im Fortgeschrittenenspiel) ansammelt. Wer am Ende die meisten Punkte aus Aufträgen, Gebäuden, Wasserläufen, Schutzplättchen, Zielen und Restressourcen hat, gewinnt.
Im Kern müsst ihr zwei Welten balancieren: Wald (ernten, aufforsten, schützen) und Sägewerk (verarbeiten, Aufträge erfüllen). Übertreibt ihr eines, fehlt euch das andere.
Aufbau und Material
Auf den Tisch kommt das große Hexagon-Spielbrett mit drei Waldbereichen, dazu die Sägewerke außen herum in den Farben Orange, Dunkelgrün und Hellgrün. Das Setup verteilt mehrere Plättchentypen halbzufällig über die Karte.
- Holzplättchen: 15 Stück (Kiefer, Birke, Fichte, Buche, Eiche) auf den vorgedruckten Feldern.
- Rodungs- und Flussplättchen sowie Schutz-, Totholz- und Rückschnittplättchen für die Pflegeaktionen.
- Sägewerksgebäude mit Standard- und Ausbauseite, dazu drei HQ-Plättchen je nach Spielerzahl.
- Vorrat aus Münzen, Baumaterial, Zeitarbeitern, Sämlingen und den fünf Holzsorten.
- Auftragskarten, Zielkarten, Spawnkarten sowie 10 Rundenmarker.
Jede Person bekommt einen Charakterplan mit individueller Rolle (z.B. Logistikleiter, Ökologin, Drohnenführerin), eine Erntemaschine, einen Sägewerksmanager, Gebäudescheiben, ein Technologieplättchen und drei Lagererweiterungen. Dazu kommen je nach Startposition Münzen und ein Sämling sowie eine Startauftragskarte, die zugleich vorgibt, an welchem HQ der Manager startet.
Ablauf einer Runde
Eine Runde läuft im Uhrzeigersinn ab und beginnt damit, dass die Startspielerin den obersten Rundenmarker aufdeckt. Alle erhalten den gezeigten Bonus, dann folgen die Züge.
- Aktionspunkte setzen: Ihr stellt eure Aktionspunkte auf der Aktionsleiste ein. Zu Beginn habt ihr 3, später bis zu mehr, je nach Entwicklungsleiste.
- Aktionen ausführen: Ihr gebt Aktionspunkte aus, bis sie verbraucht sind. Aktionen dürft ihr beliebig kombinieren und wiederholen.
- Optional Aktionspunkte kaufen: Bis zu zwei zusätzliche Aktionspunkte pro Zug für je 4 Münzen.
- Zugende: Sobald ihr keine Punkte mehr habt oder nicht weiter wollt, ist die nächste Person dran.
Eure Aktionen teilen sich in zwei Bereiche: Erntemaschine im Wald und Sägewerksmanager in den Betrieben.
Die Aktionen der Erntemaschine
- Bewegung: Für 1 Aktionspunkt bis zu zwei Felder weit. Jede Flussüberquerung kostet 1 Münze, außer ein Stauwehr oder eine Brücke liegt da.
- Ernten: Auf Feldern mit Holzseite nach oben. Die Kosten in Aktionspunkten stehen auf dem Plättchen, das Holz wandert ins Lager, das Plättchen wird umgedreht.
- Aufforsten: Auf abgeholzten Feldern. Ihr zahlt Sämlinge, dreht das Plättchen zurück und legt den Sämling auf eure Aufforstungstabelle (volle Zeile = Belohnung).
- Waldpflege: Schutz, Totholz oder Rückschnittplättchen aufnehmen und auf der Forstleiste ablegen. Gleiche Sorten kommen in dieselbe Spalte.
- Waldbau: Gebäude in eine angrenzende Rodung setzen, kostet 1 Baumaterial und 1 Zeitarbeiter.
- Wasserstrukturen: Mäander (3 Zeitarbeiter) oder Brücke mit Reservoir (3 Baumaterial) neben einen Fluss bauen.
Die Aktionen des Sägewerksmanagers
- Manager bewegen: Wechsel zu einem anderen HQ. Belohnung hängt davon ab, wie viele Manager dann dort stehen.
- Gebäude nutzen: Ressourcen ziehen, neue Auftragskarten nehmen oder Veredelungsplättchen (Beizen, Trocknen, Hobeln) auf eure Hölzer legen (max. zwei pro Holzplättchen).
- Gebäude ausbauen: Sägewerksgebäude auf die stärkere Rückseite drehen, Kosten stehen unten links auf dem Plättchen. Eure Markierung bleibt drauf, und ihr kassiert pro Nutzung durch andere eine Münze.
- Auftrag erfüllen: Geforderte Hölzer mit passenden Veredelungen abgeben und die Belohnung kassieren. Doppelaufträge gehen auch teilweise (nur obere Hälfte).
Sterne, Technologie und Zielkarten
Viele Aktionen zeigen ein Sternsymbol. Jedes Mal wandert euer Sternmarker um die Belohnungsleiste, und wenn er den Endpunkt überschreitet, dürft ihr 3 Punkte nehmen oder in einen neuen Sektor wechseln und dessen Effekt kassieren.
Auf der Entwicklungsleiste schaltet ihr neue Technologien und zusätzliche Aktionspunkte frei. Zielkarten könnt ihr einmal pro Zug als Soforteffekt abwerfen oder am Spielende für Punkte einlösen, wenn die Bedingung passt.
Spielende und Wertung
Nach der 10. Runde endet das Spiel. Zur Schlusswertung zählen mehrere Quellen, die ihr nacheinander abrechnet:
- Gebäudereihe: Punkte unter der am weitesten rechts liegenden offenen Spalte eures Tableaus.
- Wasserstrukturen: Passende Symbole zählen, multipliziert mit eurem Stand auf der Wasserlaufleiste.
- Zielkarten: Erfüllte Bedingungen liefern Punkte gemäß Tabelle auf der Referenz.
- Schutz- und Pflegeplättchen: Mehrheitswertung mit 10, 6 und 2 Punkten (Gleichstand: Summe geteilt, abgerundet).
- Restwerte: Je 3 übrige Ressourcen, Münzen oder ungenutzte Zielkarten geben 1 Punkt, dazu 1 Punkt pro Holzplättchen im Lager.
Bei Gleichstand entscheidet die Anzahl gepflanzter Sämlinge, dann die Menge erfüllter Aufträge, dann die erfüllten Zielkarten.
Forestry im Test: Unsere Bewertung und Erfahrungen
Spielgefühl und Mechanik
Forestry fühlt sich an wie ein klassisches Eurogame mit Aktionspunkt-Knirschen. Drei Aktionspunkte zu Beginn sind absurd wenig, jeder einzelne Punkt zählt.
Genau das macht den Reiz aus. Wenn ihr eine Kettenaktion hinbekommt, also Bewegung, Ernte, Sternfortschritt, Belohnung, dadurch neuer Sämling, dann fühlt sich das verdammt belohnt an.
Das Thema trägt die Mechanik überraschend gut. Beizen, Trocknen und Hobeln sind keine reinen Symbole, sondern verbinden sich mit den Auftragskarten zu nachvollziehbaren Produktionsketten.
Komplexität und Realitätsabgleich
Pegasus druckt 12+ auf die Schachtel, und die Daten zeigen eine Komplexität, die klar im oberen Kennerspielbereich liegt, mit einem Fuß im Expertenfach. Aus Redaktionssicht würden wir eher zu 14+ raten, weil die Verzahnung aus Ressourcen, Manager, Erntemaschine, Aufträgen und Entwicklungsleiste anfangs ordentlich aufs Hirn drückt.
Die Boxangabe von 70 bis 120 Minuten ist ehrlich, aber rechnet in der Erstpartie mit deutlich mehr. Vor allem zu viert kann Forestry zäh werden, weil jeder seinen Zug genau durchrechnen will.
Spätestens ab der zweiten Partie greifen Layout und Symbolik sauber, und das Regelheft wandert immer öfter zur Seite. Insgesamt wird das Forestry Brettspiel von vielen Spielerinnen und Spielern sehr positiv aufgenommen, was zur Erfahrung am Tisch passt.
Für wen lohnt sich der Kauf?
Forestry ist für Leute, die Engine-Building und Aktionspunkt-Optimierung lieben. Wer schon mit Eurogames wie Holzwirtschafts- und Aufbauspielen warm geworden ist, findet hier ein sehr eigenes, thematisch dichtes Setting.
Die individuellen Rollen, also Logistikleiter, Ökologin oder Drohnenführerin, ziehen die Strategie in völlig unterschiedliche Richtungen. Die Ökologin kann eine Partie über reines Aufforsten und Bauen gewinnen, ohne viel Holz zu fällen, während andere stark über erfüllte Aufträge punkten.
Wer Solo spielt, bekommt mit Förster Paul einen ordentlichen Gegner. Und wer Downtime hasst, sollte das Spiel zu zweit oder zu dritt auf den Tisch bringen, nicht zu viert in der Erstpartie.
Forestry im Vergleich
Wer Forestry mit anderen modernen Eurogames zur Holzthematik vergleicht, landet schnell beim Genre Worker- und Aktionspunktspiele. Forestry setzt stärker auf die Doppelrolle aus Erntemaschine im Wald und Manager am Sägewerk, statt auf reine Arbeitersetzung.
Dadurch entsteht ein eigenes Tempo: viele kleine Mikro-Entscheidungen pro Aktionspunkt, statt weniger großer Worker-Setzungen. Das ist weder besser noch schlechter, aber spürbar anders.
Ist Forestry wirklich für jedermann?
Nein. Forestry ist kein Familienspiel und kein Absacker.
Das Thema Forstwirtschaft ist sperriger als Drachen oder Piraten, und die Aktionspunkt-Knappheit fordert Geduld. Wer das mag, bekommt eines der eigenständigsten Eurogames der Saison.
Unser Fazit
Forestry liefert eine starke Forestry Bewertung von uns: dichtes Thema, saubere Verzahnung, fordernde Aktionspunkte und Rollen, die echte Wiederspielwert bringen. Es ist kein Megakracher für jeden Tisch, aber für die Zielgruppe ein richtig gutes Strategiespiel.
Stärken
- Thema und Mechanik verzahnt: Hölzer, Veredelung und Aufträge ergeben eine glaubwürdige Produktionskette statt austauschbarer Symbole.
- Knackiges Aktionspunkt-Management: Mit nur 3 Aktionspunkten zu Beginn zählt jeder Zug, Kettenaktionen fühlen sich extrem belohnt an.
- Individuelle Rollen: Logistikleiter, Ökologin und Co. öffnen sehr unterschiedliche Strategien und erhöhen die Wiederspielbarkeit.
- Saubere Modi: Einführungsspiel, Standard, Fortgeschritten und Solomodus gegen Förster Paul decken viele Spielsituationen ab.
- Material und Layout: Symbolik und Aufdrucke sind so gut, dass das Regelheft ab Partie zwei meist liegen bleibt.
Schwächen
- Downtime zu viert: Erstpartien können in der Vollbesetzung lange Wartezeiten erzeugen, weil jeder seine Aktionspunkte durchrechnet.
- Sperriges Thema: Forstwirtschaft, Beizen und Hobeln zünden nicht bei jedem, das ist kein klassischer Eyecatcher am Spieleabend.
- Geringe Interaktion: Außer Felder blockieren, Boni und Auftragskarten wegschnappen, lasst ihr euch wenig in die Suppe spucken.
- Verschwendungs-Falle: Wer nicht vorausplant, bekommt Ressourcen, die er nicht nutzen kann, das frustriert in den ersten Partien.
- Altersangabe optimistisch: Die 12+ auf der Box passen aus unserer Sicht eher zu 14+, gerade ohne Eurogame-Erfahrung.
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