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Stell dir vor, du sitzt mit fünf Leuten am Tisch, vor jedem liegt ein buntes Karoraster und ein Stift. In der Mitte rollen sechs Würfel, drei in Farben, drei mit Zahlen, und plötzlich geht das Geschnatter los. Genau dieses Bild ist NOCH MAL! in seiner reinsten Form.
Das NOCH MAL Spiel von Inka und Markus Brand ist 2016 bei Schmidt Spiele erschienen und gehört zu dieser kleinen Gattung, die jeder kennt, sobald die ersten zwei Würfe rum sind. Kein dickes Brett, kein dramatisches Setting, kein Storybuch. Stattdessen: pures Roll-and-Write-Adrenalin im Hosentaschenformat.
Ein klassisches Thema im Stile großer Brettspiele gibt es hier ehrlich gesagt nicht. Das Setting ist das Raster selbst, die bunten Spalten von A bis O, die kleinen Sterne, die dich am Ende ärgern, wenn du sie nicht erwischst.
Trotzdem entsteht am Tisch eine ganz eigene Stimmung. Jeder Wurf ist öffentlich, jede Entscheidung wird kommentiert, und wenn der Startspieler die zwei besten Würfel wegnimmt, gibt es garantiert ein kollektives Stöhnen. Table Presence entsteht hier nicht über Miniaturen, sondern über Mitschreiben, Mitfluchen und ständiges Mitfiebern.
NOCH MAL! ist von 1 bis 6 Spielerinnen und Spielern ab 8 Jahren spielbar und in rund 20 Minuten durch. Das ist Mitbring-Format im besten Sinne, perfekt für Familienabende, Spieleabend-Warmup oder die Runde mit Nicht-Spielern, die sonst eher Kniffel kennen.
Spannend ist das integrierte Solo-Modus-Konzept gegen eine Punktetabelle über 30 Würfe. Das ist kein Ersatz für die laute Mehrspielerrunde, aber ein nettes Extra, wenn du mal alleine an deinem Block knobeln willst.
Der Clou liegt in der Tatsache, dass alle ständig dran sind. Auch wenn dein Nachbar würfelt, darfst du dir aus den vier übrig gebliebenen Würfeln etwas aussuchen. Downtime? Praktisch null.
Genau diese Mechanik macht aus einem schlichten Ankreuz-Spiel den kleinen Megakracher, der am Tisch viel größer wirkt, als die Schachtel vermuten lässt. Wer einmal angefangen hat, ruft fast reflexartig: noch mal!
Du suchst die wichtigsten Regeln auf einen Blick? Hier ist die schnelle Kurzfassung. Das vollständige Regelwerk findest du direkt im verlinkten PDF.
Du willst auf deinem Spielblatt möglichst viele Spalten und vor allem ganze Farbgruppen vollständig ankreuzen. Punkte gibt es für komplette Spalten, dicke Boni für komplett ausgefüllte Farben und Strafe für nicht angekreuzte Sterne.
Das Spiel endet sofort, sobald jemand zwei komplette Farben abgeschlossen hat. Wer am Ende die meisten Punkte sammelt, gewinnt.
Vor jeder Person liegt ein identisches Spielblatt mit einem bunten Raster, das in Spalten von A bis O gegliedert ist. In die Mitte kommen die sechs Würfel, dazu pro Person ein Stift.
Der aktive Spieler wirft alle sechs Würfel und ist als Erster am Zug. Anschließend dürfen alle anderen mit den übrig gebliebenen Würfeln arbeiten.
Damit dein Raster nicht beliebig wuchert, gibt es klare Bedingungen, wo du überhaupt ankreuzen darfst. Die musst du jederzeit einhalten.
Die Joker auf den Würfeln retten viele knifflige Situationen. Mit dem Farb-Joker wählst du eine beliebige Farbe, mit dem Zahlen-Joker eine Zahl von 1 bis 5, eine Sechs gibt es nicht.
Die Joker sind aber nicht gratis. Jedes Mal, wenn du einen Joker-Würfel nutzt, kreuzt du in deiner Joker-Reihe ein Ausrufezeichen ab. Jedes am Spielende noch übrige Ausrufezeichen bringt dir einen Pluspunkt.
Die ersten drei Würfe des Spiels laufen etwas anders. Hier dürfen alle Spielenden aus allen sechs Würfeln frei wählen, der Startspieler nimmt also noch nichts weg.
Erst ab dem vierten Wurf greift die normale Regel mit der Startspieler-Auswahl und den vier Restwürfeln. So kommt jede Person sauber in ihr Raster.
Das Spiel endet schlagartig, sobald eine Person zwei komplette Farben auf ihrem Blatt angekreuzt hat. Die laufende Runde wird nicht zu Ende gespielt, es kommt direkt zur Abrechnung.
Wer die meisten Punkte sammelt, gewinnt. Bei Gleichstand sitzt die nächste Partie sowieso schon in den Fingern, der Block ist groß genug.
NOCH MAL! lebt von einem ganz simplen Effekt: Du bist nie raus. Während der Startspieler grübelt, rechnest du im Kopf längst durch, ob dir die übrig bleibenden vier Würfel weiterhelfen, und dieses ständige Mitdenken ist die eigentliche Engine des Spiels.
Mit einer Komplexität, die intern bei rund 1,2 von 5 liegt, ist das Spiel klar im Einsteiger-Bereich angesiedelt. Trotzdem entstehen reichlich kleine Dilemmata: Reiße ich jetzt die fette Spalte E auf, oder sichere ich erst die letzten zwei orangen Kästchen für den Farbbonus?
Die Mechanik aus Farb- plus Zahlenwürfel ist so klar, dass selbst Nicht-Spieler nach einer Minute mitziehen. Trotzdem belohnt sie Köpfchen, weil das Setzen in zusammenhängenden Farbblöcken und das clevere Nutzen der Startspalte H echte Plan-Entscheidungen sind.
Auf der Schachtel steht ab 8 Jahren, und das passt erstaunlich gut. Lesen muss niemand, das Raster, die Farben und die Zahlen sind selbsterklärend, ein helles Grundschulkind ist hier wirklich auf Augenhöhe.
Die 20 Minuten Spielzeit sind eine ehrliche Ansage. Zu zweit oder zu dritt geht es eher noch schneller, zu fünft oder sechst kann es ein paar Minuten länger werden, bleibt aber immer im Mitbring-Rahmen.
Bei der Spielerzahl würde ich aus Redaktionssicht klar zu 3 bis 5 Personen raten. Solo funktioniert über die 30-Würfe-Tabelle, ist aber eher Notnagel, das eigentliche Spiel zündet erst, wenn die Würfel öffentlich liegen und alle gleichzeitig schielen.
NOCH MAL! ist insgesamt sehr gut aufgenommen, viele Spielerinnen und Spieler stellen es in eine Reihe mit Klassikern wie Qwixx oder Qwirkle Würfel. Ein zentrales Lob taucht immer wieder auf: kaum Downtime, ständig dran, sofort wieder Lust auf eine zweite Partie.
Kritik bleibt meist klein und ehrlich: Thema gibt es praktisch keins, und auf Dauer wiederholt sich das Optimierungsmuster auf dem Raster. Wer Story, Worker Placement oder einen echten Enginebuilding-Aufbau erwartet, ist hier sowieso in der falschen Bubble.
Beides sind schlanke Würfel-Schreib-Spiele, doch sie kitzeln unterschiedliche Reize. Qwixx ist noch puristischer, du kreuzt Zahlenreihen ab und musst aufpassen, dass du dich nicht selbst sperrst.
NOCH MAL! gibt dir mit dem zweidimensionalen Raster, den Farbgruppen und den Sternfeldern mehr Planungsoptionen. Wer es etwas taktischer mag und gerne über Spalten und Farbboni grübelt, greift hier zu. Wer ultra-schnell und sofort zugänglich will, bleibt eher bei Qwixx.
Wenn du Familienspiele, lockere Runden mit Nicht-Spielern oder den klassischen Spieleabend-Opener suchst, ist das NOCH MAL Spiel eine sehr klare Empfehlung. Es passt in jede Schublade, jeden Rucksack, jede Ferienwohnung.
Wer ausschließlich auf Heavy Euros, Area Control oder thematische Schwergewichte steht, wird hier nicht abgeholt. Das ist kein Strategie-Brecher, das soll es aber auch gar nicht sein.
Unterm Strich liefert NOCH MAL! genau das, was sein Name verspricht: Du legst den Stift weg, schaust auf den Block, und sagst fast automatisch noch mal. Mehr muss ein 20-Minuten-Würfler nicht leisten.
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