Schätz it if you can: Bluff, Bauchgefühl und die große Schätz-Schlacht
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Hinweis: Antworten basieren auf der hinterlegten Anleitung und ersetzen nicht die offizielle Regelquelle des Verlags.
Schätz it if you can: Worum geht es im Schätz-Hit von moses?
Thema und Atmosphäre am Tisch
Wiegt ein Tiger mehr oder weniger als ein Löwe? Und wo zum Henker ordnet man dazwischen ein Walross ein? Genau diese Sorte Fragen knallt euch Schätz it if you can reihum auf den Tisch.
Berge nach Höhe, Tiere nach Gewicht, Gebäude nach Bauzeit. Klingt erst harmlos, wird aber zur kleinen Nervenprobe, sobald die Reihe wächst und der nächste Begriff dazwischen muss.
Und wenn ihr keinen Schimmer habt? Pokerface auf, frech reinlegen und hoffen, dass euch die anderen den Quatsch abkaufen. Genau hier kippt das Quiz in ein richtig fieses kleines Bluffspiel.
Die Eckdaten zum Spiel
Hinter dem Spaß steht der Autor Ralf zur Linde, erschienen ist der Titel 2023 beim moses. Verlag. Auf der Schachtel steht eine Altersangabe von 14 Jahren, was angesichts der eher harmlosen Quiz-Mechanik aus unserer Sicht ziemlich konservativ gewählt ist.
Gespielt wird mit zwei bis fünf Personen, eine Partie dauert grob zwanzig bis vierzig Minuten. Damit ist klar, wo das Ding hingehört: an den Familien- und Freundestisch, als Absacker oder Warmmacher für den Spieleabend.
Für wen ist das Spiel?
Wer Quizspiele sonst hasst, weil man sich dumm fühlt, sobald man die Hauptstadt von irgendwas nicht weiß, bekommt hier eine echte Chance. Es geht nämlich fast nie um hartes Wissen, sondern um Bauchgefühl, Vergleich und ein bisschen Mut zur Lüge.
Quasselrunden, Familien mit Teenies, gemischte Gruppen aus Vielspielern und Gelegenheitsspielern: Hier holt das Spiel alle ab. Und das ist, mit Verlaub, gar nicht so einfach.
Was sticht heraus?
Das große Plus ist die Fragenqualität: Vor allem die ersten, grünen Kartenstufen liefern Themen, über die man im Alltag schlicht noch nie nachgedacht hat. Genau dieser Aha-Reflex am Tisch ist der eigentliche Star.
Dazu kommt der Kniff mit dem Kartenhalter und dem verdeckenden Holzbalken. Erst tippen, dann gemeinsam aufdecken: kleine Showbühne, große Wirkung.
Schätz it if you can: Anleitung, Ablauf und Regeln erklärt
Regeln als PDF herunterladenDas Spielziel
Ihr wollt am Ende die meisten Punkte auf der Punkteleiste am Schachtelrand stehen haben. Die holt ihr euch, indem ihr Begriffe clever in eine Reihenfolge bringt oder die Reihenfolge der anderen zu Recht anzweifelt.
Aufbau und Material
Vor euch liegt ein überschaubarer, aber feiner Materialkasten. Den braucht ihr für jede Partie auf dem Tisch:
- 75 Fragekarten mit jeweils einer Kategorie und neun Begriffen
- Neun farbige Holzklötzchen, die ihr in eine Reihe einordnet
- Ein Kartenhalter mit blauem Holzbalken, der die Lösung verdeckt
- Fünf Punktemarker auf der Punkteleiste am Schachtelrand
Eine Karte wird in den Halter geschoben, der Holzbalken deckt den Lösungsbereich ab. Jeder bekommt einen Punktemarker, los geht's.
Ablauf eines Zuges
Gespielt wird reihum. Wer am Zug ist, muss zuerst über den Vorgänger urteilen und dann selbst nachlegen.
- Bewerten: Zuerst schaust du dir die Reihenfolge an, die der vorherige Spieler gelegt hat. Du entscheidest: durchwinken oder anzweifeln.
- Durchwinken: Du übernimmst die bisherige Reihe als korrekt. Der Vorgänger bekommt zwei Punkte gutgeschrieben, und ab jetzt liegt die Verantwortung bei dir.
- Anzweifeln: Der Holzbalken wandert beiseite, das Kontrollfenster wird geöffnet. War die Reihe falsch, bekommst du einen Punkt, der Vorgänger geht leer aus. War sie richtig, kassierst du einen Minuspunkt, und der Vorgänger bekommt zwei Punkte.
- Neuen Begriff einordnen: Danach deckst du einen weiteren Begriff auf der Karte auf und schiebst das passende farbige Klötzchen an die Stelle in der Reihe, an die er deiner Meinung nach gehört.
- Weitergeben: Anschließend gibst du den Kartenhalter an den nächsten Spieler, der das gleiche Spielchen mit deiner Reihe macht.
Wichtig dabei: Beim Durchwinken übernimmst du die komplette Reihe so, wie sie liegt. Wer also faul ist und blind durchwinkt, kann sich später schwer beschweren, wenn die Reihe längst krumm war.
Rundenende und Spielende
Eine Runde läuft so lange, bis alle neun Begriffe einer Karte eingeordnet sind. Auch danach gibt es noch ein letztes Mal die Möglichkeit, die finale Reihe anzuzweifeln.
Dann wandert der Startspieler eine Position weiter, eine neue Karte kommt in den Halter. Das Spiel endet, sobald jeder einmal eine Runde eröffnet hat.
Gewonnen hat, wer am Ende die meisten Punkte auf der Punkteleiste vorzuweisen hat. Punktgleichstand? Dann teilt euch den Sieg, oder gönnt euch einfach noch eine Runde.
Schätz it if you can im Test: Unser Fazit und unsere Kritik
Spielgefühl und Mechanik
Was Schätz it if you can so angenehm anders macht: Es ist eines der wenigen Quizspiele, bei denen man sich nicht dumm fühlt, wenn man die Antwort nicht weiß. Genau das ist auch der Tenor aus den Reviews, in denen ausdrücklich betont wird, dass selbst eingefleischte Quiz-Verweigerer hier Spaß hatten.
Der Reiz liegt im Vergleichen, nicht im stumpfen Wissen. Du tastest dich an eine Reihe heran, hast eine grobe Ahnung, und dann zerbröselt deine schöne Logik beim nächsten Begriff. Klassisches "Eigentlich müsste doch..."-Geschrei am Tisch, und genau das macht es so unterhaltsam.
Das Bluff-Element bringt zusätzlich Spannung rein: Manchmal weißt du, dass deine Reihe Murks ist, schiebst aber trotzdem mit Pokerface weiter. Der Nächste muss dann entscheiden, ob er dir vertraut. Table Presence trifft Schätzlogik, eine richtig charmante Mischung.
Material, Komplexität und Realitätsabgleich
Der Kartenhalter mit dem verschiebbaren Holzbalken ist clever gelöst und macht das Aufdecken zum kleinen Mini-Showmoment. Die Komplexität ist sehr niedrig, das Spiel ist in wenigen Minuten erklärt, und die meisten Gruppen sind sofort drin.
Die Altersangabe von 14 finden wir aus Redaktionssicht zu hoch gegriffen. Inhaltlich gibt es nichts, was Jugendliche ab etwa 12, oft sogar früher, nicht mitspielen könnten, sofern sie mit Vergleichsfragen umgehen können.
Etwas weniger schön ist die Punktewertung: Sie ist verschachtelter, als das leichte Spielgefühl vermuten lässt, und man vergisst regelmäßig, Punkte zu vergeben. Auch die Punkteleiste am Schachtelrand wird kritisiert, weil Marker an Ecken hängen oder übereinander rutschen. Gute Nachricht: Es ist bekannt, dass eine Auflage mit Punktechips diesen Schwachpunkt entschärft.
Fragenqualität: Stärke mit Bremse
Die grünen Fragestufen sind der eigentliche Hammer. Hier merkt man Liebe und Recherche: ungewöhnliche Themen, originelle Vergleiche, Sachen, über die noch nie jemand nachgedacht hat. Genau diese Fragen erzeugen die besten Diskussionen.
Mit den späteren, dunkleren Kartenfarben verschiebt sich das Bild. Da rutscht der Fragenpool stärker in Richtung Jahreszahlen und harte Fakten. Wer hier nicht zufällig Bescheid weiß, hat keinen Vergleichshebel mehr, und das kostet etwas vom anfänglichen Charme.
Für wen lohnt sich der Kauf?
Mit einer Bewertung um die 7,3 landet das Spiel im Bereich solider bis sehr starker Empfehlung, und das deckt sich mit dem Gesamteindruck am Tisch. Es ist ein Familien- und Gruppenspiel für gemischte Runden, das Vielspieler und Quiz-Muffel zusammenbringt.
Wer hartes Wissensquiz im Stil großer Klassiker sucht, ist hier falsch. Wer Schätzen, Diskutieren und gelegentliches Bluffen liebt, bekommt eines der angenehmsten Spiele dieser Nische.
Kurzvergleich: Schätzen vs. Einordnen
Naheliegend ist der Vergleich mit Hitster, das ebenfalls Begriffe (dort Songs) chronologisch in eine Reihe einsortiert. Hitster lebt von Musik und Nostalgie, Schätz it if you can dagegen von kuriosen Sachthemen und Vergleichsfragen.
Beide nutzen das Prinzip Reihe-einsortieren, aber das Spielgefühl ist anders: Hitster ist lockerer und stärker emotional, Schätz it provoziert mehr Diskussion und Bauchgefühl-Tüftelei am Tisch.
Unser Fazit
Unterm Strich ist das hier ein kleines, fein gemachtes Schätzspiel mit echtem Aha-Effekt, das vor allem dank seiner besten Fragen lange im Schrank bleiben darf. Wer ein zugängliches Spiel für gemischte Runden sucht, macht hier praktisch nichts falsch.
Stärken
- Hervorragende Fragenqualität, besonders auf den grünen Karten mit ungewöhnlichen Vergleichsthemen
- Kartenhalter mit verschiebbarem Holzbalken sorgt für einen kleinen, spannenden Show-Moment beim Auflösen
- Holt auch Quiz-Verweigerer ab, weil Bauchgefühl und Vergleich wichtiger sind als hartes Wissen
- Sehr niedrige Einstiegshürde, in wenigen Minuten erklärt und am Familientisch sofort lauffähig
- Bluff-Element beim Durchwinken bringt zusätzliche Spannung in eine eigentlich harmlose Schätzmechanik
Schwächen
- Punktewertung mit Verantwortungs-Übergang und Anzweifel-Regeln wirkt unnötig fummelig für ein leichtes Spiel
- Punkteleiste am Schachtelrand ist unpraktisch, wenn mehrere Marker an Kanten oder übereinander liegen
- Spätere Kartenstufen rutschen stärker in pures Jahreszahlen-Wissen ab und verlieren so vom ursprünglichen Charme
- Altersangabe ab 14 ist aus unserer Sicht zu hoch angesetzt, jüngere Teenies können problemlos mitspielen
- Wer harte Wissensquiz mit klaren richtig-oder-falsch-Antworten sucht, wird mit dem Schätz-Ansatz nicht warm
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