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Brettarium Review

Scythe: Mechs, Mehrheiten und kalter Krieg in einem alternativen Osteuropa

Amazon 4.8/5 (693)
1–5 Spieler115 Minab 14 J.

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Scythe

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Hinweis: Antworten basieren auf der hinterlegten Anleitung und ersetzen nicht die offizielle Regelquelle des Verlags.

Scythe: Worum geht es in dem Strategie-Brecher von Jamey Stegmaier?

Ein Osteuropa, das es nie gab

1920er Jahre, irgendwo zwischen verschneiten Feldern und rauchenden Schloten. Der erste große Krieg ist vorbei, die Asche liegt noch auf den Äckern. Und mitten in dieser Landschaft schweigt die Fabrik, jenes mysteriöse Bollwerk, das einst gepanzerte Mechs in den Konflikt gespuckt hat.

Genau hier setzt das Scythe Brettspiel von Jamey Stegmaier an. Wir übernehmen eine von fünf Fraktionen, deren Anführer auf riesigen Tieren reiten, von Björn auf seinem Wasserbüffel bis zu Olga und ihrem treuen Begleiter. Jeder will sein Stück vom Kuchen rund um die Fabrik abgreifen, und keiner ist bereit, dafür höflich anzustehen.

Thema und Atmosphäre

Was Scythe so besonders macht, ist diese eigenartige Mischung. Auf der einen Seite stehen Bauern, die Holz schlagen, Metall schürfen und Nahrung anbauen. Auf der anderen Seite stampfen tonnenschwere Mechs über die Hexfelder, gemalt von Jakub Rozalski in einem Stil, der irgendwo zwischen Heimatfilm und Dieselpunk hängt.

Diese Bildwelt hat in der Brettspielszene einen ziemlich eigenen Platz erobert. Wer einmal vor diesem aufgebauten Spielfeld saß, versteht schnell, warum sich um Scythe eine ganze Bubble aus Fans, Erweiterungen und Kunstdrucken gebildet hat. Das Ding will angefasst, betrachtet und nicht nur abgehakt werden.

Für wen ist dieses Spiel?

Scythe ist ein Heavy Euro für ein bis fünf Spielende ab 14 Jahren, mit einer offiziellen Spieldauer von rund 115 Minuten. Wer schon mal mit Kennerspielen wie Wasserkraft auf Tuchfühlung war, fühlt sich hier schnell zuhause. Solo geht ebenfalls, dafür liegt ein Automa bei, der die leere Sitzgelegenheit ersetzt.

Es richtet sich klar an Leute, die Engine Building, Area Control und asymmetrische Fraktionen lieben. Wer leichte Familienkost sucht, ist hier eindeutig falsch. Wer hingegen Lust auf einen analytischen Strategie-Brecher mit viel Table Presence hat, bekommt mit dem Verlag Feuerland in der deutschen Ausgabe ein Schwergewicht, das im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tisch knallt.

Was sticht heraus?

Drei Dinge fallen sofort auf. Erstens: die asymmetrischen Fraktionen, jede mit eigenem Startgebiet, eigenen Ressourcen und einer ganz eigenen Spielidee. Zweitens: die fast schon kompromisslose Kontrolle, die ihr über euer Schicksal habt, denn der Würfel hat hier nichts zu suchen.

Drittens: der Vibe am Tisch. Scythe kann brutal sein, vor allem gegen Neulinge, die in den ersten Runden schnell unter die Räder kommen. Aber genau dieses harte, kalkulierte Gegeneinander ist es, was die Community an dem Titel feiert.

Scythe Regeln: Ziel, Aufbau und Ablauf einer Partie

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Das Spielziel

Am Ende der Partie soll euer Vermögen am größten sein. Typischerweise liegt der Siegerstand bei etwa 75 Münzen, gefüllt wird die Kasse während des Spiels und vor allem in der Schlusswertung.

Drei große Kategorien spülen Geld in eure Truhe:

  • Platzierte Sterne auf der Erfolgsleiste, für erreichte Meilensteine
  • Beherrschte Regionen auf der Karte
  • Je zwei kontrollierte Ressourcen auf euren Gebieten

Entscheidend ist dabei euer Ansehen. Je höher es steht, desto üppiger fällt der Multiplikator in der Schlusswertung aus.

Aufbau und Material

Jeder Spielende übernimmt eine von fünf Fraktionen, jeweils mit eigenem Anführer auf einem mächtigen Reittier. Dazu gibt es ein individuelles Spielertableau, das die möglichen Aktionen vorgibt, sowie Mechs, Arbeiter, Gebäude und Sternemarker in der Spielerfarbe.

Auf den Tisch kommen zusätzlich:

  • Ein großes Hexfeld-Spielplan mit der zentralen Fabrik im Zentrum
  • Stapel mit Begegnungskarten, Zielkarten und Fabrikkarten
  • Ressourcenmarker für Holz, Metall, Öl und Nahrung
  • Kampfkarten und Stärkescheiben für die Auseinandersetzungen

Die Startpositionen sind fest und auf jede Fraktion abgestimmt, das hält die Asymmetrie sauber im Gleichgewicht.

Ablauf eines Zuges

Scythe verzichtet auf klassische Runden oder Phasen. Stattdessen ist immer reihum eine Person dran und wählt auf ihrem Tableau eine Sektion, die noch nicht im letzten Zug genutzt wurde.

Eine Sektion besteht aus zwei Ebenen, die hintereinander aktiviert werden:

  1. Obere Aktion: Eine der vier Grundaktionen Bewegen, Produzieren, Handeln oder Aufrüsten
  2. Untere Aktion (optional): Eine Investition wie Entwickeln, Mechs einsetzen, Gebäude bauen oder Rekrutieren

Wer produziert, legt die neuen Ressourcen direkt auf das Spielfeld. Sie gehören nur dem, der das jeweilige Gebiet kontrolliert, was die Karte zu einem ständigen Tauziehen um Holz, Metall, Öl und Nahrung macht.

Bewegung, Begegnungen und die Fabrik

Mit Bewegen schickt ihr Arbeiter und Mechs über die Hexfelder. Mechs können besondere Fähigkeiten freischalten, die zum Beispiel Flüsse überqueren oder Einheiten teleportieren lassen.

Betritt ein Anführer ein noch unerforschtes Feld mit Begegnungssymbol, zieht ihr eine Begegnungskarte. Sie stellt euch vor mehrere Optionen, etwa einen verirrten Reisenden zu führen, ihm seinen Mech abzukaufen oder ihn zu verjagen, jeweils mit unterschiedlichen Belohnungen oder Ansehensänderungen.

Die zentrale Fabrik ist das Sahnestück. Wer als erste Person dort ankommt, darf eine besonders mächtige Fabrikkarte als zusätzliche Aktionsspalte mitnehmen.

Kämpfe und Ansehen

Treffen zwei feindliche Figuren auf demselben Feld, kommt es zur Schlacht. Beide Seiten setzen verdeckt ihre Stärkescheibe ein und können zusätzlich Kampfkarten ausspielen, die Werte addieren.

Wer die höhere Summe hat, gewinnt das Feld, der Verlierer schickt seine Figuren zurück. Wichtig: Aggressives Vorgehen kann Ansehen kosten, gerade wenn Arbeiter der Gegenseite verdrängt werden, was am Spielende richtig wehtun kann.

Spielende und Wertung

Die Partie endet schlagartig, sobald jemand seinen sechsten Stern auf der Erfolgsleiste platziert. Sterne gibt es unter anderem für gewonnene Kämpfe, gebaute Gebäude, alle eingesetzten Mechs, maximales Ansehen oder Macht und erfüllte Zielkarten.

Anschließend zählt jeder zusammen, was die drei Wertungskategorien einbringen, multipliziert mit dem aktuellen Ansehen. Wer die meisten Münzen hat, gewinnt, und der Abstand ist oft erstaunlich knapp.

Scythe im Test: Erfahrungen, Kritik und Fazit zum Strategie-Hit

Spielgefühl und Mechanik

Scythe spielt sich genau so, wie es aussieht: schwer, kalkuliert, atmosphärisch. Die Aktionsauswahl über das Tableau fühlt sich nach gefühlten zwei Partien fast meditativ an, weil ihr ständig im Kopf rechnet, welche Sektion euch jetzt Cashflow bringt und welche euch im nächsten Zug Mechs ins Feld stellt.

Das Verzahnen von Engine Building, Gebietskontrolle und Ansehensleiste ist dabei der eigentliche Star. Ressourcen liegen offen auf der Karte, also reicht es nie, einfach nur zu produzieren, ihr müsst die Felder auch halten. Das erzeugt diese unangenehme Frage: Mech rüberschieben und in die Suppe spucken oder lieber den eigenen Motor weiterbauen?

Mit einer Komplexität im oberen Mittelfeld ist Scythe kein Spiel für nebenbei. Wer zum ersten Mal mitspielt, gegen eingespielte Runden, wird selten glücklich, das berichten auch viele aus der Community ganz offen. Glücksfaktor? Praktisch nur in den Begegnungskarten und der Startaufstellung, der Rest ist pure Entscheidung.

Realitätsabgleich: Alter, Dauer und Komplexität

Die Schachtel nennt 14 Jahre und 115 Minuten. Die 14 Jahre passen aus unserer Sicht ziemlich genau, jünger wird es schwierig, weil das Regelgerüst und das vorausschauende Planen Erfahrung mit Kennerspielen voraussetzen.

Die Spielzeit hingegen ist optimistisch. In Erstpartien mit vier oder fünf Personen landet ihr realistisch eher bei drei Stunden plus, vor allem wenn jemand am Tisch zum Grübeln neigt. Erst mit eingespielten Gruppen, die ihre Fraktion kennen, kriegt man die 115 Minuten halbwegs hin.

Auch die Solo-Variante mit dem Automa funktioniert technisch, ist aber Geschmackssache. Scythe lebt vom direkten Druck am Tisch, von dieser Mischung aus Misstrauen und Bündnis, die eine KI nicht ersetzen kann.

Für wen lohnt sich der Kauf?

Scythe ist ein klares Kennerspiel mit Schlagseite Richtung Expertenrunde. Wer Heavy Euros mag, wer Spiele wie Wasserkraft oder andere Engine-Builder mit Konfliktanteil schätzt, bekommt hier einen Megakracher, der nach Dutzenden Partien immer noch neue Linien aufzeigt.

Wer dagegen lieber locker zusammenspielt oder Konfrontation komplett scheut, sollte sich das gut überlegen. Auch wenn der Kampfanteil kleiner ist, als das martialische Artwork suggeriert, drückt das Spiel über Gebietskontrolle und Ansehen ständig in eure Pläne hinein.

Kurzvergleich: Scythe und Terra Mystica

Wer Scythe mag, wirft schnell einen Blick auf Terra Mystica. Beide sind asymmetrische Strategie-Schwergewichte mit Hexfeldern und Völkern, die sich deutlich unterschiedlich spielen. Terra Mystica ist aber stärker auf reine Aufbau- und Wertungslogik fokussiert, ohne nennenswerte direkte Kämpfe.

Scythe legt im Gegenzug mehr Wert auf Bedrohung und Präsenz: Mechs auf der Karte verändern allein durch ihre Position das Verhalten der anderen, ohne dass ein Würfel rollt. Wer den thematischen Druck einer alternativen 1920er-Welt sucht, ist hier richtig, wer reines Eurogame-Schach will, eher bei Terra Mystica.

Unterm Strich liefert Stegmaier mit Scythe einen der stärksten modernen Strategie-Titel der letzten Jahre, getragen von einer Bildwelt, die ihresgleichen sucht, und einem Aktionssystem, das genug Tiefe für viele Partien bietet. Insgesamt wird es in der Community sehr stark aufgenommen, und das zu Recht.

Stärken

  • Asymmetrische Fraktionen mit eigenen Startgebieten, Mech-Fähigkeiten und Spielgefühlen
  • Verzahntes Engine Building: Aufrüsten, Bauen, Rekrutieren und Mechs greifen sauber ineinander
  • Kontrolle statt Glück: Keine Würfel, Kämpfe verdeckt über Stärke und Kampfkarten
  • Starke Atmosphäre dank Rozalski-Artwork, Miniaturen und 1920er-Setting
  • Vollwertiger Solo-Modus über den Automa für Spielabende ohne Mitspielende
  • Hoher Wiederspielwert durch wechselnde Fraktion-Tableau-Kombinationen und Begegnungskarten

Schwächen

  • Hohe Einstiegshürde: Neulinge werden in gemischten Runden oft hart abgehängt
  • Spielzeit unrealistisch angegeben: 115 Minuten werden in Erstpartien deutlich überschritten
  • Anfällig für Downtime, wenn Mitspielende zum Optimieren und Grübeln neigen
  • Konfliktstil nicht für jeden: Ansehensverlust und verdrängte Arbeiter können frustrieren
  • Inlay der Grundbox ist mäßig, viele greifen früh zu Drittanbieter-Lösungen
  • Solo gegen Automa fühlt sich nicht so packend an wie das harte Spiel gegen Menschen

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