Strohmann Games, Inferno, Expertenspiel, Brettspiel, 1-4 Spieler, ab 14+ Jahren, 120 Minuten, Deutsch
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Inferno: Dantes Reise durch die neun Höllenkreise

1 –
4 Spieler
14+ Jahre
45+ Minuten
58,48 EUR

inkl. MwSt. zzgl. Versand

Inferno: Worum geht es in dem düsteren Strategie-Epos?

Thema und Atmosphäre

Mit Inferno tauchen wir in eine der berühmtesten literarischen Welten überhaupt ein, nämlich in die Göttliche Komödie von Dante Alighieri. Wir bewegen uns zwischen dem Florenz des frühen 14. Jahrhunderts und den neun Kreisen der Hölle, in denen jede Sünde ihre ganz eigene, schaurige Bestrafung findet.

Das Spiel von Autor Fernando Eduardo Sánchez, erschienen 2024 bei Red Mojo und auf Deutsch bei Strohmann Games, schafft eine erstaunlich dichte Atmosphäre. Die hölzernen Seelen mit eingravierten Sünden-Symbolen, der zweigeteilte Plan zwischen Stadt und Unterwelt, das alles erzeugt am Tisch ein wunderbares Kribbeln zwischen Renaissance-Intrige und Endzeitstimmung.

Wer sitzt da am Tisch?

Wir schlüpfen in die Rolle rivalisierender Florentiner Familien, die nach dem zweifelhaftesten Ruhm der Stadt streben. In diesem Inferno Brettspiel sind Schandepunkte die heimliche Währung des Erfolgs, denn wer am Ende als besonders verrucht gilt, gewinnt.

Gespielt wird zu 1 bis 4 Personen, eine vollwertige Solo-Variante ist mit dabei. Die Verlagsangabe von 45 bis 120 Minuten ist dabei eher optimistisch, in der Praxis solltet ihr für eine erste Runde gut zwei bis drei Stunden einplanen.

Für wen ist das Spiel gedacht?

Mit einem Komplexitätswert um die 3,6 von 5 und einer Altersempfehlung ab 14 Jahren ist Inferno klar im Kennerspiel-Bereich verortet. Es richtet sich an alle, die schon ein paar Worker-Placement-Spiele gesehen haben und Lust auf den nächsten, belohnenden Schritt verspüren.

Wer gerne tief in thematisch dichte Euro-Spiele eintaucht, wird hier seine Freude finden. Die literarische Vorlage ist dabei kein bloßer Aufkleber, sondern wirklich in jede Mechanik eingewoben.

Was macht Inferno besonders?

Heraus sticht vor allem die doppelte Welt aus Florenz und Hölle, die über ein elegantes Symbol-System miteinander verzahnt ist. Auch die zwei Währungen, Florin oben und Drachmen unten, sind eine ungewöhnliche und thematisch starke Idee.

Insgesamt wird Inferno von vielen Spielerinnen und Spielern sehr positiv aufgenommen, gerade wegen seiner stimmigen Verbindung aus Thema, Material und Mechanik. Wir erleben hier ein Spiel, das sich auch nach mehreren Partien noch frisch und vielschichtig anfühlt.

Inferno Brettspiel Regeln: So funktioniert die Reise in die Hölle

Du suchst die wichtigsten Regeln auf einen Blick? Hier ist die schnelle Kurzfassung. Das vollständige Regelwerk findest du direkt im verlinkten PDF.

Das Spielziel

Ziel ist es, am Ende die meisten Schandepunkte zu sammeln und damit als berüchtigtste Familie aus der Partie zu gehen. Punkte erhalten wir, indem wir Seelen in ihre passenden Höllenkreise führen, in Florenz unsere Macht ausbauen und auf den Sündenleisten möglichst weit vorne stehen.

Das Spiel endet, sobald die Dante-Figur am tiefsten Punkt der Hölle ankommt. Wer zu diesem Zeitpunkt die meisten Schandepunkte vorweisen kann, gewinnt.

Aufbau und Material

Der zentrale Spielplan besteht aus zwei Teilen, die ineinandergreifen. Auf der einen Seite liegen die neun Höllenkreise und das Seelenregister, auf der anderen die Stadt Florenz mit ihren Schauplätzen.

  • Höllenseite: Raster mit neun Kreisen, Akkeron-Fluss als Übergang von Ober- zu Unterwelt, Friedhof, Dante-Leiste und zwei zufällige Wächter mit Sonderfähigkeiten.
  • Florenz-Seite: Aktionsorte wie Heuhaufen, Bankett, Hof, Palast, Bank, Mauer, Markt und Feuerstelle.
  • Spielertableau: Eigener Familienturm, Platz für Adlige und Gassenkinder, Ablagen für Urkunden und Betrugskarten.
  • Währungen: Florin für Florenz, Drachmen für die Hölle.
  • Seelen: Holzfiguren mit eingraviertem Sündensymbol in der jeweiligen Farbe ihres Höllenkreises.

Ablauf eines Zuges

Ein Zug besteht immer aus zwei klar getrennten Phasen, die mechanisch ineinandergreifen. Erst handeln wir in der Unterwelt, dann oben in der Stadt.

  1. Höllenphase: Wir setzen entweder eine Seele vom Friedhof neu in die Hölle ein oder bewegen eine bereits vorhandene Seele eine Ebene tiefer. Beim Einsetzen über den Akkeron muss der Fährmann Charon mit einer Drachme bestochen werden.
  2. Symbolprüfung: Das Feld, auf dem die Seele landet, zeigt ein Symbol. Genau diesem Symbol ist ein Bereich in Florenz zugeordnet, in dem wir anschließend handeln dürfen.
  3. Florenz-Phase: Hier wählen wir zwischen zwei Möglichkeiten, siehe unten.

Erreicht eine Seele den zu ihrer Farbe passenden Höllenkreis, darf sie dort liegend abgelegt werden. Wir bekommen dafür Schandepunkte, und liegende oder stehende Seelen dürfen bei späteren Bewegungen einfach übersprungen werden, was schöne Kettenzüge ermöglicht.

Die zwei Optionen in Florenz

In der Florenz-Phase entscheiden wir uns je Zug für eine der folgenden Aktionen. Das Symbol aus der Höllenphase bestimmt, in welchem Bereich wir aktiv werden dürfen.

  • Ortsaktion ausführen: Wir setzen einen unserer Arbeiter, also Adlige oder Gassenkinder, an einen Schauplatz und nutzen dessen Aktion. So adoptieren wir am Heuhaufen neue Kinder, bauen am Bankett oder Hof unseren Turm aus, laden im Palast einflussreiche Gäste ein, verdienen an der Bank Florin, nutzen an Mauer und Markt unsere Betrugskarten, oder aktivieren an der Feuerstelle die Wächter und bauen Brücken zu den tiefen Höllenkreisen.
  • Sünder anklagen: An einem Ort, an dem wir bereits einen Arbeiter haben, klagen wir eine Person an. Sie wird hingerichtet, ihre Seele wandert auf den Friedhof, und wir steigen auf der passenden Sündenleiste ein Feld auf. Außerdem bewegt sich Dante einen Schritt weiter Richtung Spielende.

Den Symbolzwang dürfen wir mit der Zahlung von zwei Drachmen umgehen und einen anderen Bereich in Florenz wählen. Das ist ein wichtiges Ventil, wenn die Kette einmal nicht passt.

Arbeiter, Wächter und Zertifikate

Haben wir keine eigenen Arbeiter mehr verfügbar, müssen wir sie zurückholen. Dieses Zurückholen ist immer mit einer Anklage verbunden, wodurch frische Sünder auf den Friedhof kommen und Dante weiterzieht.

  • Adlige und Gassenkinder: Manche Aktionen sind ausschließlich den Kindern vorbehalten, etwa kleine Diebstähle für zusätzliche Ressourcen.
  • Wächter: Zu Spielbeginn liegen zwei zufällige Wächter aus, deren mächtige Fähigkeiten an der Feuerstelle aktiviert werden können.
  • Zertifikate: Wenn Dante über Wertungsfelder zieht, erhält die Person mit der höchsten Position auf der passenden Sündenleiste eine Urkunde. Diese Zertifikate schalten am Ende die jeweilige Leiste für die Schlusswertung frei.

Spielende und Wertung

Sobald Dante das letzte Feld seiner Treppe erreicht, wird die laufende Runde noch zu Ende gespielt. Danach geht es in die Endwertung.

  • Sündenleisten: Für jede Farbe gibt es Punkte gemäß der eigenen Position, multipliziert mit dem Wert auf der dazugehörigen Höllenleiste. Punkte gibt es nur dort, wo wir auch eine Urkunde besitzen.
  • Familienbesitz: Der ausgebaute Turm und die geladenen Gäste bringen weitere Schandepunkte.
  • Ruf in der Stadt: Auch unser Stand in Florenz fließt in die Wertung ein.
  • Seelen in den Kreisen: Erfolgreich abgelegte Seelen in den passenden Kreisen liefern direkte Punkte.

Wer am Ende die meisten Schandepunkte hat, wird zur berüchtigtsten Familie gekürt. Übrigens lässt sich die Spieldauer offiziell verkürzen, indem mit Token Felder auf Dantes Treppe abgedeckt werden, damit er schneller in die Tiefe fällt.

Inferno Brettspiel Rezension: Lohnt sich Dantes Höllenfahrt?

Spielgefühl und Mechanik

Inferno fühlt sich ab der ersten Partie ungewöhnlich thematisch dicht an, ohne dass das Thema die Mechanik erdrückt. Der Trick, dass das Symbol unter der bewegten Seele über unsere Aktion in Florenz entscheidet, ist herrlich crunchy, das heißt, die Entscheidungen verzahnen sich so eng, dass wir oft mehrere Züge vorausplanen.

Besonders belohnend wirkt das Spiel in der Mittelphase. Wenn die ersten Seelen ihren passenden Kreis erreichen, die Sündenleisten sich füllen und Dante näher Richtung Abgrund wandert, entsteht ein wunderbar dichter Sog am Tisch.

Realitätsabgleich: Alter, Dauer und Komplexität

Die Verlagsangabe ab 14 Jahren halten wir für realistisch, in dichten Spielrunden würden wir sogar eher 16 sagen. Hier müssen wir Symbole, zwei Währungen, Wächterfähigkeiten und Zertifikatsregeln gleichzeitig im Blick behalten, was jüngere Mitspielende leicht überfordert.

Auch die Spielzeit von 45 bis 120 Minuten ist auf der Schachtel deutlich zu freundlich angesetzt. Realistisch sind aus unserer Sicht 2 bis 3 Stunden, zu viert eher mehr, was zur Komplexität des Spiels schlicht besser passt.

Für wen lohnt sich der Kauf?

Inferno ist klar ein Kennerspiel, das einem Familienspielabend mit gemischten Erfahrungslevels eher im Weg stehen würde. Wer schon mit Titeln wie tiefen Worker-Placement-Spielen warm geworden ist und Lust auf den nächsten Schritt hat, findet hier einen extrem belohnenden Brocken.

Auch für Solo-Spielende ist die enthaltene Einzelvariante ein starkes Argument. Wer ein dichtes Thema, ein cleveres Aktionssystem und ein Spielende mit echtem Druck mag, dürfte hier sehr glücklich werden.

Wie Inferno am Tisch ankommt

In den Stimmen aus der Community wird Inferno insgesamt sehr gut aufgenommen, vor allem wegen der Themenintegration und der ineinandergreifenden Mechaniken. Die hölzernen Seelenfiguren mit ihren ausgestanzten Sündensymbolen werden besonders gelobt, auch weil sie das Spiel für Menschen mit Rot-Grün-Schwäche gut zugänglich machen.

Häufig genannte Kritik betrifft das Verstellen der Höllenkreise. Wenn viele Seelen ungünstig stehen, kann eine Figur regelrecht festhängen, und die Karten zum Umsortieren sind eher selten zu sehen.

Inferno im Vergleich zu klassischen Worker-Placement-Spielen

Im Gegensatz zu vielen klassischen Vertretern des Genres entscheidet bei Inferno nicht der Setzplatz allein über unsere Aktion, sondern der Umweg über das Symbol unter der Seele in der Hölle. Das macht das Spiel strategisch eigenständig, sorgt aber auch dafür, dass die Wege zum Sieg etwas enger geführt werden als in offeneren Worker-Placement-Spielen.

Wer maximale Freiheit beim Einsetzen liebt, könnte sich gelegentlich gegängelt fühlen. Wer dagegen ein klares, thematisch erzählerisches System schätzt, wird genau diesen Lenkungsmoment lieben.

Unser Fazit: Inferno ist ein hervorragend integriertes Kennerspiel, das die literarische Vorlage spürbar lebendig macht und mechanisch deutlich mehr bietet als ein weiteres Florenz-Euro. Wer bereit ist, sich auf die Lernkurve einzulassen, bekommt ein Spiel mit hohem Wiederspielwert.

Stärken

  • Thementiefe: Dantes Höllenkreise, Florentiner Familien und Sündenleisten greifen erzählerisch und mechanisch ineinander, statt nur als Kulisse zu dienen.
  • Symbol-Kopplung: Die Verbindung zwischen Seelenbewegung in der Hölle und Aktionsort in Florenz erzeugt knifflige, vorausschauende Züge.
  • Zwei Währungen: Florin oben, Drachmen unten, das trennt die beiden Welten spürbar und sorgt für interessante Ressourcen-Entscheidungen.
  • Materialqualität: Die hölzernen Seelen mit ausgestanzten Sündensymbolen sind nicht nur schön, sondern auch barrierearm für Menschen mit Farbschwäche.
  • Solo-Modus integriert: Auch alleine bleibt der Reiz des Höllenpuzzles voll erhalten.
  • Variable Spieldauer: Über Token auf Dantes Treppe lässt sich die Partie offiziell verkürzen, was die Hürde für Wiederholungspartien senkt.

Schwächen

  • Optimaler Zug oft sichtbar: In manchen Situationen drängt sich die beste Aktion deutlich auf, was eingespielte Tüftlerinnen und Tüftler etwas einengt.
  • Festgefahrene Seelen: Volle Höllenkreise können dazu führen, dass eine Figur in einer Ecke hängenbleibt, weil die passenden Umsortierungskarten selten sind.
  • Optimistische Boxangaben: 45 bis 120 Minuten und Alter 14 sind in der Praxis eher 2 bis 3 Stunden und gefühlt 16 plus, hier ist ehrliche Erwartungssteuerung gefragt.
  • Hohe Einstiegshürde: Symbol-Kopplung, Wächter, Zertifikate und zwei Währungen sind viel auf einmal, ein Familienspielabend mit Gelegenheitsspielenden ist das nicht.
  • Wenige Siegwege: Im Vergleich zu offeneren Euro-Spielen wirkt die Punkte-Architektur enger geführt.
Daniel Vogel
Mein Herz schlägt für die Extreme am Spieltisch: Von komplexen Strategie-Brechern bis hin zu lauten Partyspielen. Ich seziere Mechaniken, prüfe die taktische Tiefe und zeige dir, was wirklich unter der Haube steckt.

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